Europas Landwirtschaft am Scheideweg: Droht der Verlust der Weizenernte durch strenge Gentech-Regeln?
Topmanager fürchtet wirtschaftlichen Abgrund mit den USA - Europas Landwirtschaft am Scheideweg: Droht der Verlust der Weizenernte durch strenge Gentech-Regeln?
Europas landwirtschaftliche Zukunft steht auf dem Spiel, während Regulierer über die Zulassung neuer Agrartechnologien streiten. Ohne die Akzeptanz genomeditierter Nutzpflanzen drohen dem Kontinent erhebliche Einbußen bei der Weizenproduktion, warnt Matthias Berninger, Chef-Lobbyist des Bayer-Konzerns. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der zentrale EU-Institutionen über Regeln verhandeln, die die Landwirtschaft für Jahrzehnte prägen könnten.
Die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und der Rat der EU einigten sich am 4. Dezember 2025 vorläufig auf eine Vereinfachung der Zulassungsverfahren für bestimmte genomeditierte Pflanzen. Diese als NGT-Kategorie-1 eingestuften Kulturen, die konventionellen Sorten gleichgestellt werden, könnten Landwirten helfen, sich an den Klimawandel anzupassen. Interessenverbände wie BIO Deutschland drängen auf schnellere Genehmigungen und argumentieren, dass Verzögerungen der europäischen Landwirtschaft langfristig schaden könnten.
Berninger betonte, Europa müsse entschlossen handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren. Die Agrarbiotechnologie sei ein Bereich, in dem der Kontinent eine Führungsrolle übernehmen könne – allerdings nur, wenn die Regulierer Bürokratie abbauen. Die Debatte um genomeditierte Lebensmittel habe sich von erbittertem Widerstand hin zu sachlicheren Diskussionen gewandelt, so Berninger, doch die Zulassungsverfahren blieben zäh. Die Folgen reichen über Europa hinaus: Der Lobbyist warnte vor einem transatlantischen Graben, der beide Seiten schwächen und globalen Konkurrenten in die Hände spielen könnte. Gleichzeitig riet er Europa, Spannungen mit den USA zu vermeiden und stattdessen eine ehrlichere Bestandsaufnahme der eigenen Stärken und Schwächen vorzunehmen.
Bayer, das 2018 den US-Konzern Monsanto übernahm, hat selbst mit Herausforderungen zu kämpfen. Eine Welle von Klagen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat kostete das Unternehmen Milliarden – auch wenn jüngste juristische Erfolge den Aktienkurs stützten. Berninger sieht in diesen Turbulenzen eine Mahnung, wie schnell sich Märkte verändern können – und warum Europa es sich im Agrartech-Bereich nicht leisten könne, den Anschluss zu verlieren.
Die Entscheidung der EU über genomeditierte Pflanzen wird darüber entscheiden, ob Europas Landwirte den Anforderungen des Klimawandels gerecht werden können. Bleiben die Zulassungsbedingungen zu streng, könnten die Weizenerträge einbrechen – mit Folgen für die Ernährungssicherheit in Europa und Teilen Afrikas. Derweil bleibt die zentrale Frage: Werden die Regulierer den Weg für neue Agrartechnologien ebnen?
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