Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie ein Straßenmagazin Obdachlosen hilft
Tim WeberDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie ein Straßenmagazin Obdachlosen hilft
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – eine Lebensader für obdachlose Verkäufer:innen – kämpft mit drastischen Auflagenrückgängen
Noch vor einiger Zeit verkaufte das Straßenmagazin bis zu 40.000 Exemplare pro Monat, doch mittlerweile ist die Auflage auf unter 12.000 gesunken. Der Rückgang spiegelt die allgemeinen Herausforderungen der Printmedien wider, aber auch die zunehmende Ablehnung gegenüber den Verkäufer:innen und den Wandel hin zu digitalen Formaten.
Gegründet von Hubert Ostendorf, ist "fiftyfifty" seit jeher mehr als nur eine Zeitschrift. Es dient als Sprachrohr, deckt Missstände auf und setzt sich gegen die Diskriminierung obdachloser Menschen ein. Gleichzeitig bietet es den Verkäufer:innen eine seltene Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen – und finanziert damit Projekte wie Straßenhilfe und medizinische Versorgung für herrenlose Hunde.
Der Preis pro Ausgabe stieg auf 3,40 Euro, um die steigenden Kosten zu decken, bleibt aber günstiger als viele andere Alltagsgüter. Spenden und Verkäufe halten das Projekt am Laufen, unterstützt von einer Wohltätigkeitsgalerie, die Kunstwerke bekannter Künstler:innen verkauft. Doch die größte Stärke des Magazins ist seine Sichtbarkeit: Es verbindet Verkäufer:innen, Leser:innen und die Gesellschaft – und hält das Thema Obdachlosigkeit im öffentlichen Bewusstsein.
Neben der Printausgabe gibt es "fiftyfifty" mittlerweile auch digital – nach dem Prinzip einer Rubbellotterie. Die Verkäufer:innen erhalten weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises, doch der Umstieg ins Internet konnte den Rückgang nicht aufhalten. Mindestens acht weitere deutsche Straßenmagazine, darunter "Münchner Tausendblatt" und "Straßenfeger Köln", verzeichneten in den letzten fünf Jahren einen Rückgang der Verkäufe um über 50 Prozent. Gründe dafür sind die Konkurrenz durch soziale Medien, der Rückgang der Bargeldnutzung und digitale Spendenmöglichkeiten.
Für viele Obdachlose ist "fiftyfifty" mehr als nur eine Einnahmequelle – es ist ein Symbol der Zugehörigkeit. Das Magazin gibt Struktur, Würde und ein Gefühl von Schutz in einem oft entbehrungsreichen Alltag.
Der Auflagenrückgang bedroht nun ein wichtiges Unterstützungssystem für die Obdachlosenhilfe in Düsseldorf. Mit weniger verkauften Exemplaren werden auch die Mittel für Straßenarbeit und Advocacy unsicherer. Die Zukunft des Magazins hängt davon ab, wie es gelingt, Tradition mit den Veränderungen der Medienlandschaft in Einklang zu bringen.