Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben durch Preisdruck und Schädlinge
Tim WeberZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben durch Preisdruck und Schädlinge
Zuckerrübenanbau in Deutschland gerät zunehmend unter Druck, da sinkende Preise, steigende Kosten und anhaltende Schädlingsprobleme die Rentabilität mindern. In den vergangenen fünf Jahren ist die Anbaufläche für die Kultur um 10–15 % geschrumpft – von etwa 43.000 Hektar im Jahr 2020 auf rund 37.000 Hektar heute. Landwirte wie Marius Feldmann setzen nun auf neue Lösungen, um Erträge zu sichern und die Produktion wirtschaftlich tragfähig zu halten.
Der Rückgang der Zuckerrübenflächen hat mehrere Ursachen. Geringere EU-Preisgarantien nach der Abschaffung der Zuckerquote 2017, höhere Produktionskosten sowie die Konkurrenz durch günstigere Importe – insbesondere im Rahmen des Mercosur-Handelsabkommens – haben die Gewinne schrumpfen lassen. Krankheiten wie die Cercospora-Blattfleckenkrankheit und die Stolbur-Phytoplasmose (SBR) bedrohen zudem die Erträge: Bei starken Befällen kann der Zuckerertrag um 40–50 % einbrechen. Betroffene Felder erinnern dann mit vertrockneten, kümmerlich wachsenden Pflanzen an Tabakpflanzungen.
Auch die Unkrautbekämpfung wird immer schwieriger, da ältere Herbizide an Wirksamkeit verlieren. Hirsearten und andere resistente Unkräuter können die Ernte kaum noch lohnenswert machen. Um dem entgegenzuwirken, testete Feldmann, Betriebsleiter bei der Metternich-Ratibor-Corvey KG, kürzlich Rinpode, ein neues Rübenherbizid. Mit einer Aufwandmenge von nur 2 g/ha bietet es eine bessere Umweltverträglichkeit als herkömmliche Mittel und bekämpft zuverlässig hartnäckige Unkräuter. Erste Versuche deuten darauf hin, dass es den Zuckerertrag um bis zu eine Tonne pro Hektar steigern könnte.
Landwirte setzen zunehmend auf innovative Pflanzenschutzlösungen – von modernen Fungiziden bis hin zu Biostimulanzien –, um Ertrag und Qualität zu sichern. Notfallzulassungen für die Bekämpfung von Krankheiten wie Cercospora haben in den letzten Jahren geholfen. Doch die Erzeuger betonen, dass langfristig dauerhafte und planbare Lösungen nötig sind, um die heimische Zuckerproduktion zu sichern.
Ohne wirksame Gegenmaßnahmen könnte der Rückgang des Zuckerrübenanbaus die inländische Zuckerversorgung Deutschlands gefährden. Neue Herbizide wie Rinpode und verbesserte Strategien zur Krankheitsbekämpfung könnten helfen, Erträge und Rentabilität zu stabilisieren. Langfristig wird der Erfolg jedoch von stabilen Marktbedingungen und weiteren Innovationen im Pflanzenschutz abhängen.






