Wie Österreichs Schimpfkultur zur radikalen Freundlichkeit wird
Österreichs kreative Schimpfkultur: Wenn Fluchen zur Entspannung wird
Österreich verfügt über einen beeindruckenden Wortschatz an Beleidigungen – allein über 50 Begriffe für „Idiot“ wie „Dodel“, „Wappler“ oder „Vollkoffer“. Das Land pflegt ein besonderes Verhältnis zum Fluchen, das oft als Ventil oder gar als eine Art „Yoga für die Seele“ gesehen wird.
In einem neuen Buch untersucht die Autorin, wie Österreicher:innen ihre Frustration auf kreative Weise kanalisieren. Ein langsamer Autofahrer auf der Autobahn kann sie etwa unerwartet beflügeln, statt sie in Wut zu versetzen. Ein Kontrast zu Island, wo es über 50 Wörter für „Schnee“ gibt – ein ganz anderer sprachlicher Fokus.
Als Reaktion auf alltägliche Ärgernisse schlägt die Autorin eine radikale Lösung vor: „radikale Freundlichkeit“. Sie plant, Menschen für kleine Unannehmlichkeiten zu danken – etwa wenn jemand den letzten Parkplatz wegnimmt oder die Bäckerei überfüllt. Der Ansatz gilt auch für den Umgang mit sich selbst: Statt Selbstbeleidigung nutzt sie den Begriff „kognitiver Minimalist“.
Der Buchtitel „Radikale Freundlichkeit“ hat bereits Diskussionen ausgelöst. Manche fordern ein Verbot in Österreich, wo Schimpfwörter kulturell tief verankert sind. Doch die Botschaft bleibt klar: Frustration mit Wärme und Verständnis begegnen.
Das Buch bietet praktische Schritte, um Ärger durch Freundlichkeit zu bewältigen – mit Dankbarkeit für kleine Hindernisse und mehr Selbstmitgefühl. Ob die Österreicher:innen diesen Ansatz übernehmen, bleibt abzuwarten. Doch die Idee stellt traditionelle Reaktionen auf Ärgernisse infrage.






