Wie der Erdfall von 2009 das Kölner Stadtarchiv für immer verschlang
Eine der verheerendsten Katastrophen Kölns ereignete sich 2009, als das historische Stadtarchiv in einem Erdfall versank. Innerhalb weniger Minuten stürzte das Gebäude ein, in dem 1,7 Millionen Dokumente lagerten – ein Schatz, der 1.000 Jahre lokale Geschichte bewahrte. Zwei junge Männer kamen ums Leben, als der Boden unter benachbarten Häusern nachgab.
Der Einsturz geschah während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn-Linie, ein Projekt unter der Aufsicht der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Obwohl die KVB über keine Erfahrung mit derart groß angelegten Baustellen verfügte, leitete sie die Arbeiten. Spätere Ermittlungen deckten auf, dass entscheidende Stahlträger vor der Katastrophe gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren.
Der Erdfall verschlang das Archiv vollständig und ließ den Turm der benachbarten Kirche St. Johann-Baptist bedrohlich absacken. Bald nannten die Kölner das Bauwerk spöttisch den "Schiefen Turm von Köln". Rettungskräfte verbrachten Monate damit, Papierschnipsel zu sieben; die geretteten Fragmente wurden schließlich in 20 Notarchiven verteilt.
Die juristischen Auseinandersetzungen zogen sich über Jahre hin – mit Verurteilungen, Freisprüchen und schließlich der Einstellung der Verfahren 2024. Die Baustelle selbst blieb vernachlässigt; erst 2023 wurde sie teilweise mit Beton verfüllt. Heute prägt eine Landschaft aus Sandhügeln und wildem Gestrüpp das Gelände.
Nun soll der provisorische Beton entfernt werden, da die U-Bahn-Arbeiten wiederaufgenommen werden. Nach Fertigstellung wird die Strecke die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.
Unterdessen kämpft die Aktivistengruppe ArchivKomplex weiterhin um Mitsprache bei den Neubauplänen. Sie fordert einen würdigen Gedenkort für die Katastrophe und ihre Opfer.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hinterließ eine tiefe Narbe in der Stadt. Die Baustelle ist bis heute unvollendet, auch wenn der U-Bahn-Bau voranschreitet. Für viele bleibt die Katastrophe eine Mahnung – an die Gefahren mangelnder Kontrolle und an die Bedeutung, Geschichte zu bewahren.






