Vom Straßenkämpfer zum Sternekoch: Tim Raues brutale Jugend in Berlins "36 Boys"
Sebastian SchulteVom Straßenkämpfer zum Sternekoch: Tim Raues brutale Jugend in Berlins "36 Boys"
Der gefeierte Sternekoch Tim Raue gehörte einst zu einer der härtesten Straßenbanden Berlins. Zwischen seinem 14. und 16. Lebensjahr war er Mitglied der „36 Boys“ in Kreuzberg, wo gewalttätige Auseinandersetzungen zum Alltag gehörten. Seine Zeit in der Bande hinterließ sowohl körperliche als auch seelische Narben – darunter eine von einem brutalen Aufnahmeritual, die er bis heute trägt.
Die „36 Boys“ entstanden aus dem Verlangen nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Ihre Mitglieder gerieten in den Straßen Kreuzbergs oft in Unterzahl gegen verfeindete Gruppen. Für Raue bedeutete der Beitritt, eine grausame Initiation zu durchstehen: Neulinge mussten sich in einem dreiminütigen Kampf zwei bestehenden Bandenmitgliedern stellen.
Raue hielt die vollen drei Minuten nicht durch. Er wurde geschlagen, weigerte sich aber zu fliehen – ein Beweis für seinen Durchhaltewillen trotz der Schmerzen. Die Erfahrung hinterließ eine bleibende Narbe, eine ständige Erinnerung an seine Zeit in der Bande. Später gab er zu, in den Kämpfen oft den Drang zur Flucht gespürt zu haben, wusste aber: Ein Rückzug hätte den Verlust jeglichen Respekts bedeutet.
Der Journalist Paul Christoph Gäbler hat die Geschichte der Bande – einschließlich Raues Erlebnisse – in einem Buch dokumentiert. Der Koch lehnt Gewalt heute entschlossen ab, erkennt aber die Denkweise an, die ihn einst an das Straßenleben band. Sein damaliges Leben steht in scharfem Kontrast zu seinem heutigen Dasein, das nicht mehr von Konflikten, sondern von Disziplin und kreativem Schaffen geprägt ist.
Raues Zeit bei den „36 Boys“ prägte einen Teil seiner Jugend – geprägt von Kämpfen und dem Überlebenswillen. Die Kultur der Konfrontation wich später seiner Leidenschaft für kulinarische Spitzenleistungen. Seine Geschichte bleibt ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie frühe Kämpfe zu unerwarteten Wegen im späteren Leben führen können.






