Richard David Precht: Vom Starphilosophen zum umstrittenen Querdenker der deutschen Debattenkultur
Richard David Precht: Vom Starphilosophen zum umstrittenen Querdenker der deutschen Debattenkultur
Der Philosoph und TV-Moderator Richard David Precht ist zu einer der polarisierendsten Figuren in Deutschlands öffentlicher Debatte geworden. Einst als angesehener Intellektueller geschätzt, sieht er sich heute mit scharfer Kritik für seine umstrittenen Positionen zu Themen wie Meinungsfreiheit, Corona-Politik und dem Ukraine-Krieg konfrontiert. In seinem jüngsten Buch „Angst. Stillstand: Warum die Meinungsfreiheit schwindet“ argumentiert er, dass Selbstzensur den offenen Diskurs aushöhlt – eine These, die sowohl Zustimmung als auch heftigen Widerspruch auslöst.
Geboren 1964, wuchs Precht in einem linksalternativen Milieu auf, bevor er in Köln Philosophie studierte. Sein Durchbruch gelang ihm 2007 mit dem Bestseller „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“, der ihn als Denker für ein breites Publikum etablierte. Seit 2012 moderiert er die Philosophiesendung „Precht“ im ZDF und macht komplexe Ideen für ein Massenpublikum zugänglich.
In den letzten Jahren jedoch haben seine Standpunkte vehemente Ablehnung provoziert. 2021 sprach er sich gegen eine Impfpflicht für Kinder gegen COVID-19 aus und wurde daraufhin als „Querdenker“ abgestempelt – ein Schlagwort für verschörungsideologisch geprägte Kritiker der Corona-Maßnahmen. Ein Jahr später unterzeichnete er die „Sofortiger Waffenstillstand!“-Erklärung, die zu Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs aufrief, was ihm den Vorwurf einbrachte, ein „Putin-Helfershelfer“ zu sein. Die Kontroverse spitzte sich 2023 zu, als eine Äußerung über orthodoxe Juden ihm die Ehrendozentur an der Leuphana Universität Lüneburg kostete. Kritiker werfen ihm nun Opportunismus vor und unterstellen, er habe die von ihm beklagte „totalitäre Meinungslage“ im öffentlichen Rundfunk erst thematisiert, nachdem er selbst persönliche Konsequenzen spürte. Dennoch finden seine Argumente quer durch die politische Landschaft Gehör – während sich die Frage stellt, wie lange das ZDF ihm weiterhin eine Bühne bieten wird. Aktuell hat Precht keine institutionellen Anbindungen oder Ehrenämter mehr inne. Er tritt vor allem als Gastredner auf, mit geplanten Auftritten bei Veranstaltungen wie „Horizons by heise“ 2026 sowie Vorträgen in Berlin und Heilbronn Anfang nächsten Jahres.
Prechts Wandel vom geachteten Philosophen zur umstrittenen Figur spiegelt tiefere Spannungen im deutschen Diskurs wider. Sein neues Buch deutet die Meinungsfreiheit als bedroht – beginnend mit der Selbstzensur. Ob seine Kritik breitere Akzeptanz findet oder ihn weiter isoliert, hängt davon ab, wie Publikum und Sender auf seine provokanten Thesen reagieren.
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