Paderborn: 489 Missbrauchsfälle erschüttern das Erzbistum über sechs Jahrzehnte
Tim WeberBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Paderborn: 489 Missbrauchsfälle erschüttern das Erzbistum über sechs Jahrzehnte
Eine neue Studie hat 489 Fälle von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2022 aufgedeckt. Der Bericht nennt 210 beschuldigte Täter und vertieft damit den anhaltenden Skandal innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Bischof Udo Markus Bentz hat die Opfer inzwischen um Vergebung gebeten und die Ergebnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen bezeichnet.
Die Missbrauchskrise der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither haben unabhängige Untersuchungen mehrere Erzbistümer untersucht, darunter München-Freising, Köln und Hamburg. Diese Ermittlungen förderten Hunderte von Opfern und Tätern zutage und führten zu Reformen wie Entschädigungsfonds, einer Meldepflicht bei Behörden und Präventionsschulungen.
Der aktuelle Bericht über Paderborn folgt auf eine Studie aus dem Jahr 2021, die 96 Fälle dokumentierte. Die nun aktualisierten Erkenntnisse zeigen ein weitaus größeres Ausmaß des Missbrauchs über sechs Jahrzehnte hinweg. Zudem gibt es Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt, verbunden mit Forderungen, Straßen umzubenennen, die ihn und Kardinal Jaeger ehren. Die Opfervereinigung argumentiert, dass öffentliche Räume keine Persönlichkeiten würdigen sollten, die mit Vertuschungen in Verbindung stehen.
Als Reaktion hat das Erzbistum Paderborn weitere Untersuchungen angekündigt, darunter eine genauere Prüfung von Degenhardts Rolle. Bisher hat die deutsche Kirche 93 Millionen Euro an Entschädigungen an Überlebende gezahlt. Maßnahmen wie zentrale Meldestellen und Schulungsprogramme bleiben bestehen, um die Folgen der Krise zu bewältigen.
Der Bericht reiht sich ein in die langjährige Aufarbeitung der katholischen Kirche in Deutschland. Überlebende erhalten weiterhin finanzielle Wiedergutmachung, während die Erzbistümer unter Reformdruck stehen. Die Debatten über Umbenennungen und die laufenden Ermittlungen spiegeln die anhaltenden Auswirkungen des Skandals wider.