24 March 2026, 06:21

Nora Burgard-Arps Debütroman "Wir nicht" entfacht Debatte über reproduktive Rechte

Eine Gruppe von Menschen marschiert auf einer Straße, hält ein 'Solidarität und Feminismus'-Schild, mit geparkten Fahrzeugen und Gebäuden im Hintergrund unter einem klaren blauen Himmel.

Nora Burgard-Arps Debütroman "Wir nicht" entfacht Debatte über reproduktive Rechte

Am 26. September 2025 stellte die Autorin Nora Burgard-Arp ihren Debütroman "Wir nicht" im Filmforum der Bottroper Volkshochschule vor. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zum "Safe Abortion Day" am 28. September, einer weltweiten Kampagne für sicheren und legalen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, die seit 1990 besteht. Burgard-Arps dystopische Erzählung, die in einer Welt spielt, in der reproduktive Rechte systematisch entzogen werden, traf beim Publikum auf große Resonanz – so sehr, dass alle Exemplare noch vor Ende des Abends ausverkauft waren.

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Der Roman begleitet Mathilda, eine Frau, die angesichts von Ungerechtigkeit schweigt, bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Widerstand zwingt. Heimlich fälscht sie ihre Zyklusaufzeichnungen und verbirgt die Schwangerschaft vor ihrem Mann – und begreift allmählich, wie wenig Selbstbestimmung ihr über den eigenen Körper bleibt. Für die bedrückende Atmosphäre des Buches recherchierte Burgard-Arp intensiv in der Sprache rechtsextremer Telegram-Gruppen.

Die Lesung, organisiert in Kooperation mit der Bottroper Humboldt-Buchhandlung, entwickelte sich schnell zu einer lebhaften Debatte. Die Anwesenden diskutierten, wie politisches Engagement im Kleinen verhindern kann, dass die dystopische Vision des Romans Realität wird. Burgard-Arp bietet zudem kostenlose Schullesungen an und lädt Lehrkräfte ein, mit Schüler:innen über reproduktive Rechte und Widerstand zu sprechen.

Die Veranstaltung fiel in eine Zeit politischer Spannungen in Deutschland. Abtreibung ist seit 1871 durch § 218 des Strafgesetzbuchs unter Strafe gestellt, auch wenn sich die öffentliche Debatte über die Jahrzehnte gewandelt hat. Frauenrechtsorganisationen fordern mittlerweile eine vollständige Streichung des Paragrafen und bezeichnen das Gesetz als überholt. Ein Gesetzentwurf der Ampelkoalition (SPD, Grüne, FDP) zur Abschaffung des § 218 aus dem Jahr 2024 liegt jedoch weiterhin auf Eis: Im März 2026 blockieren Bundesrat und Gerichte die Reform, während CDU/CSU und AfD sich dagegenstellen. Das Bottroper Gleichstellungsbüro setzt sich unterdessen weiterhin für eine Liberalisierung ein – ein Spiegelbild der gespaltenen gesellschaftlichen Haltung.

Der Abend endete mit einer Signierstunde Burgard-Arps für die letzten verfügbaren Bücher. Ihr Roman, tief verwurzelt in realen Kämpfen, traf einen Nerv – in einem Land, in dem die Abtreibungsgesetze nach wie vor umstritten sind. Die Diskussion machte eine gemeinsame Dringlichkeit deutlich: dass reproduktive Rechte nicht in dystopischen Romanen verhandelt werden sollten, sondern fest in der Realität verankert sein müssen.

Quelle