10 June 2026, 16:18

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Druck vom FID Marseille zurück

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Druck vom FID Marseille zurück

Eine Debatte ist über die geplante Teilnahme des israelischen Regisseurs Nadav Lapid als Jurymitglied beim internationalen Filmfestival FID Marseille entbrannt. Nach Druck von Boykottbefürwortern und dem Rückzug mehrerer Filmemacher aus dem Programm zog sich Lapid schließlich zurück.

Der Streit begann, als Lapid – bekannt für seine Kritik an der Regierung von Benjamin Netanyahu – zur Jury eingeladen wurde. Gegner argumentierten, sein Film Ja habe teilweise Förderung vom Israel Film Fund erhalten, den sie als staatliche Institution betrachten. Festivalleiterin Tsveta Dobreva verteidigte die Einladung zunächst mit dem Hinweis, sie basiere allein auf der Wertschätzung für Lapids Werk.

Der Druck wuchs, als rund zehn Filmemacher ihre Beiträge vom Festival zurückzogen. Lapid, der seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich lebt, erklärte seinen Rücktritt, um weitere Verwerfungen zu vermeiden. Sein jüngster Film Ja wird von Variety als scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben.

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Unterstützung erhielt Lapid von über 350 Branchenvertretern, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard. Sie unterzeichneten einen offenen Brief, der den Boykott verurteilte. Le Monde veröffentlichte zwei Stellungnahmen zu seinen Gunsten, eine davon mit dem Titel Kino ist keine Botschaft, die sich gegen die Reduzierung eines Künstlers auf seine Nationalität wandte.

Der Boykott zwang Lapid schließlich zum vollständigen Rückzug vom Festival. Sein Ausscheiden unterstreicht die wachsenden Spannungen zwischen politischem Aktivismus und künstlerischer Freiheit bei kulturellen Veranstaltungen. Das Festival wird nun ohne seine Beteiligung stattfinden.

Quelle