16 March 2026, 12:24

Kunstfreiheit in der Krise: Warum 1.100 Prominente für Düsseldorfs Akademierektorin kämpfen

Eine Wand mit mutigen, schwarzen Graffiti, die "Freiheit und Demokratie" lesen, in einem Raum mit einem Geländer unten und einem Gebäude mit Fenstern im Hintergrund.

Offener Brief warnt vor politischem Druck auf Universitäten - Kunstfreiheit in der Krise: Warum 1.100 Prominente für Düsseldorfs Akademierektorin kämpfen

Ein Streit um eine Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif hat in Deutschland eine breitere Debatte über akademische und künstlerische Freiheit ausgelöst. Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturpersönlichkeiten haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie Donatella Fioretti, die Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie, unterstützen. Fioretti steht in der Kritik, weil sie die Veranstaltung ermöglicht hat. Die Kontroverse hat mittlerweile das Landesparlament erreicht, wo Fioretti in dieser Woche aussagen soll.

Auslöser des Konflikts waren Vorwürfe des Antisemitismus gegen al-Sharif, die zu Forderungen nach Absage der Veranstaltung führten. Eine Petition verlangte zudem Fiorettis Rücktritt, weil sie an der Durchführung festhielt. Nach einer rechtlichen Prüfung wurden al-Sharifs Äußerungen zwar als von der Meinungsfreiheit gedeckt und nicht strafrechtlich relevant eingestuft. Dennoch musste die Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken eingeschränkt werden.

In dem offenen Brief, den prominente Persönlichkeiten wie der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Philosophin Susan Neiman und die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger mitgezeichnet haben, wird der politische Druck auf Fioretti scharf verurteilt. Die Unterzeichnenden kritisieren, dass Begriffe wie der "Mantel" der künstlerischen Freiheit – ursprünglich von der rechtspopulistischen AfD geprägt – grundlegende Rechte pauschal unter Generalverdacht stellen. Sie warnen davor, dass solche Eingriffe ein gefährliches Präzedenz für politische Einmischung in Universitäten und Kultureinrichtungen schaffen könnten.

Der Brief verweist auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre schützt – selbst bei umstrittenen Positionen. Die Initiator:innen fordern die Abgeordneten auf, sich klar zu diesen Schutzrechten zu bekennen und Zensur abzulehnen. Fioretti wird sich am Mittwoch in einer Sonderitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtages zu dem Fall äußern.

Die Debatte hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt, mit über 1.100 Unterzeichnenden, die Fiorettis Haltung gegen politische Einflussnahme unterstützen. Zwar gibt es bisher keine bestätigten direkten Auswirkungen auf andere Einrichtungen, doch der Brief unterstreicht die Sorge vor wachsendem Druck auf die Unabhängigkeit von Wissenschaft und Kunst. Das Ergebnis von Fiorettis Aussage könnte prägen, wie deutsche Institutionen künftig mit ähnlichen Konflikten umgehen.

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