Gogols "Der Revisor" feiert spektakuläre Neuinszenierung mit Zarenloge und Kaiserhymne

Sebastian Schulte
Sebastian Schulte
3 Min.
Ein detaillierter Grundrissplan des großen Theaters von St. Petersburg, der mit Text beschriftet ist, der die Raumgrößen, Fenster- und Türpositionen beschreibt.Sebastian Schulte

Gogols "Der Revisor" feiert spektakuläre Neuinszenierung mit Zarenloge und Kaiserhymne

Das Deutsche Historische Museum inszeniert "Der Revisor" in einer kühn-neuen Produktion unter der Regie von Waleri Fokin. Am 28. Februar feierte die Neuinszenierung von Gogols Der Revisor Premiere – ein spektakuläres Werk, das Geschichte und Gegenwart auf der Bühne verschmelzen lässt. Von kaiserlichen Hymnen bis zu meta-theatralen Wendungen zieht die Inszenierung alle Register. Die Schauspieler betreten die Bühne sogar aus der Zarenloge, jenem historischen Ort, von dem aus Zar Nikolaus I. 1836 die Uraufführung des Stücks verfolgte. Fokins Vision verbindet grotesken Humor mit tiefen historischen Bezügen und erntet Lob von Theaterlegenden und Museumsdirektoren gleichermaßen. Die Produktion markiert ein doppeltes Jubiläum: 200 Jahre seit der Uraufführung von Gogols Satire und 100 Jahre nach Meyerholds ikonischer Inszenierung am selben Ort. Die Version von 2026 beginnt mit einem eindrucksvollen Bild: Die Darsteller betreten den Zuschauerraum durch die Zarenloge – denselben Raum, aus dem Nikolaus I. einst die Premiere verfolgte. Historische Filmaufnahmen des Zaren und Gogols werden auf die prunkvollen Wände des Theaters projiziert und rahmen die Loge als geisterhafte Beobachtungsposition ein. Von dort aus scheint Gogols Geist das Chaos auf der Bühne zu verfolgen. Mitten in der Vorstellung ertönt die Kaiserhymne Gott bewahre den Zaren!, gesungen von einem Trio, das sich an die leere Loge wendet – eine Hommage an die königlichen Ursprünge des Stücks. Auf der Bühne durchlebt Tichon Schisnewskis Chlestakow nach dem Genuss eines "magischen" Elixiers eine surreale Verwandlung und enthüllt so eine vielschichtige, unberechenbare Figur. Sergei Parschins Bürgermeister balanciert zwischen Absurdität und geerdeten Dialogen, was der Satire scharfe, naturalistische Züge verleiht. Der Höhepunkt der Aufführung ist ein stummer, eineinhalb Minuten langer Tableau vivante, gefolgt von einer Fortsetzung – einem spielerischen Epilog, in dem die Schauspieler reale Kritiken am Stück persiflieren. Fokins Ansatz wird seit langem für seine interdisziplinäre Tiefe bewundert. Eduard Kotschergin, ein Weggefährte, beschreibt seine Methode als eine Synthese aus "allem Guten der Dramaturgie, der bildenden Kunst und der Musik". Konstantin Raikin, der sich an ihre erste Begegnung am Schtschukin-Institut in den späten 1960er-Jahren erinnert, hebt Fokins meisterhafte Regiearbeit hervor. Selbst Michail Piotrowski, Direktor der Eremitage, besuchte die Premiere und blieb stehen, als die Kaiserhymne erklang – eine symbolträchtige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Diese Inszenierung hat für das Alexandrinski-Theater eine besondere Bedeutung. Hier fand 1836 die Uraufführung statt, bei der Nikolaus I. berühmt bemerkte: "Was für ein Stück! Jeder hat sein Fett wegbekommen – aber ich am meisten!". Fokin inszenierte Der Revisor bereits 2002 an diesem Ort, und nun, ein Jahrhundert nach Meyerholds radikaler Interpretation von 1926, untersucht seine Version den Text durch das Prisma eines historischen Spektakels und selbstreflexiven Theaters. Die Vorstellung endet mit einer Mischung aus Stille und Satire und hinterlässt beim Publikum sowohl das Gewicht der Geschichte als auch die Schärfe moderner Parodie. Indem Fokin die Zarenloge, die Kaiserhymne und Gogols geisterhafte Präsenz in die Aufführung einwebt, verwandelt er das Alexandrinski-Theater selbst in eine Figur. Mit ihrer Verbindung aus grotesker Komödie, historischer Ehrfurcht und meta-theatralem Spiel festigt diese Inszenierung den Platz des Theaters in der langen, bewegten Geschichte seiner Beziehung zu Gogols Meisterwerk.

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