THTR-300: Wie ein gescheiterter Reaktor die Steuerzahler Milliarden kostet
Sebastian SchulteTHTR-300: Wie ein gescheiterter Reaktor die Steuerzahler Milliarden kostet
Die Stilllegung des Thorium-Hochtemperaturreaktors THTR-300 in Hamm, Nordrhein-Westfalen, hinterlässt den Steuerzahlern ein kostspieliges Erbe. Das bereits 1989 nach nur 423 Tagen Volllastbetrieb abgeschaltete, fehleranfällige Kraftwerk erfordert nun jahrzehntelange Arbeiten und Hundertmillionenausgaben aus öffentlichen Mitteln, um es sicher zurückzubauen.
Der in den 1980er-Jahren errichtete THTR-300 war ein Hochtemperaturreaktor, der hochangereichertes, waffenfähiges Uran (93 Prozent Anreicherung) in seinen Brennstoffkugeln nutzte. Sein Design ging auf militärische Graphitreaktoren zurück, doch wegen Proliferationsbedenken wurden Lieferungen solchen Materials bereits 1977 gestoppt. Trotz dieser Warnsignale wurde das Projekt mit massiver öffentlicher Förderung vorangetrieben: Der Bund steuerte 1,284 Milliarden Euro bei, das Land NRW weitere 233 Millionen Euro.
Während der kurzen Betriebsphase von 1983 bis 1986 kam es zu 125 meldepflichtigen Störfällen. Hohe Kosten und technische Pannen führten schließlich 1989 zur vorzeitigen Abschaltung. Seitdem haben die Stilllegungsarbeiten bereits 441 Millionen Euro verschlungen – davon übernahm der Bund 133 Millionen, NRW 152 Millionen.
Der Betreiber, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), meldete später Insolvenz an, wodurch die finanzielle Last vollständig auf die Steuerzahler abgewälzt wurde. Der Reaktor selbst verbleibt bis 2027 in einer sicheren Einschließung, bevor ab 2028 mit den eigentlichen Rückbauarbeiten begonnen wird, die voraussichtlich bis 2044 dauern. Dieweil lagern 305 Castor-Behälter mit rund 675.000 bestrahlten Brennstoffkugeln im Zwischenlager Ahaus und warten auf eine endgültige Entsorgung.
Die problematische Geschichte des THTR-300 belastet die deutschen Steuerzahler noch auf Jahrzehnte. Mit einem Rückbau bis 2044 und radioaktivem Abfall, für den weiterhin ein Endlager fehlt, fordert das Erbe des Reaktors weiterhin Zeit und öffentliche Gelder. Das gescheiterte Projekt steht exemplarisch für die langfristigen Folgen verfehlter Atomenergie-Politik.






