Theaterprojekt DNA im Jugendgefängnis Wiesbaden rührt Publikum zu Tränen
Nico PetersTheaterprojekt DNA im Jugendgefängnis Wiesbaden rührt Publikum zu Tränen
"DNA" begeistert im Jugendgefängnis Wiesbaden – ein Theaterprojekt, das unter die Haut geht
Eine mitreißende Aufführung von DNA hat im Jugendgefängnis Wiesbaden für Furore gesorgt. Die unter der Regie von Matze Vogel entstandene Inszenierung präsentierte die Talente junger Inhaftierter in einer Produktion, die das Publikum zutiefst berührte. Als der Vorhang fiel, brandete minutenlanger Applaus durch das hauseigene Studio-Theater.
Das Projekt ist Teil eines langjährigen Resozialisierungsprogramms, das vom Hessischen Justizministerium gefördert wird. Seit 2008 erhalten Gefangene zwischen 20 und 24 Jahren die Möglichkeit, sich schauspielerisch auszuprobieren – mit einer großen Produktion pro Jahr. Das diesjährige Stück DNA des britischen Dramatikers Dennis Kelly lotet die dunklen Seiten von Gruppendynamik im Jugendalter aus. Die Handlung zeigt, wie Gruppenzwang und Angst in Gewalt umschlagen können – ein Thema, das sowohl die Darsteller als auch das Publikum stark bewegt hat. Rund 80 Zuschauer verfolgten die jüngste Vorstellung, die wie alle zehn jährlichen Aufführungen innerhalb weniger Tage ausverkauft war.
Das Theaterprogramm des Gefängnisses hat sich seit seinen Anfängen deutlich weiterentwickelt. 2013 eröffnete die Einrichtung Deutschlands erste feste Studiobühne in einer Justizvollzugsanstalt, die seitdem als dedizierter Proben- und Aufführungsort dient. Für die Inhaftierten ist die Erfahrung oft prägend. Ein Darsteller, der nur unter dem Kürzel J. bekannt ist, beschrieb das Theater als etwas, das ihm das Gefühl von Freiheit gibt.
Für die nächste Produktion plant Regisseur Matze Vogel mit einem kleineren Ensemble zu arbeiten. Die Änderung soll den Prozess effizienter gestalten, ohne die Qualität der Aufführung zu beeinträchtigen.
Das Theaterprojekt im Wiesbadener Jugendgefängnis bleibt eine seltene kreative Plattform für die Insassen. Jahr für Jahr ziehen die Produktionen ein volles Haus an und beweisen das große öffentliche Interesse. Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen dazu, wie viele ehemalige Teilnehmer später im Kunst- oder Kulturbereich Fuß fassen, doch das Programm bleibt ein zentraler Baustein der Resozialisierungsbemühungen der Anstalt.






