Renault revolutioniert Batterie-Logistik mit 360-Grad-Kreislaufmodell
Sebastian SchulteRenault revolutioniert Batterie-Logistik mit 360-Grad-Kreislaufmodell
Renault Gruppe formt Batterie-Lieferkette um, um Stillstandszeiten zu verkürzen und Effizienz zu steigern
Der französische Automobilkonzern behandelt Batterien nicht länger als Wegwerfteile, sondern als hochwertige Vermögenswerte. In einem aktuellen Interview erläuterte Israfil Beker, Geschäftsführer der Aftersales-Elektrofahrzeug-Lieferkette, die Bedeutung dieser Strategie.
Im Gespräch mit Automotive Logistics in Bonn betonte Beker die finanziellen Risiken langer Reparaturverzögerungen. Ein Fahrzeug, das 15 bis 20 Tage stillsteht, sei inakzeptabel, so der Manager. Allein die Batterie könne bis zu 30 Prozent des Fahrzeugwerts ausmachen – schnelle Reparaturen seien daher entscheidend.
Um den Prozess zu beschleunigen, führte Renault ein Batterie-Tauschsystem ein. Defekte Einheiten werden umgehend ersetzt, sodass das Fahrzeug wieder einsatzbereit ist, während die ursprüngliche Batterie repariert wird. Diese Vorgehensweise reduziert zwar die Ausfallzeiten, erhöht aber die Komplexität der Logistik.
Die Lieferkette funktioniert nun in mehrere Richtungen: Batterien zirkulieren zwischen Händlern, Reparaturzentren, Lagern und Recyclingbetrieben. Jeder Akteur agiert dabei sowohl als Lieferant als auch als Kunde. Renault spricht von einem 360-Grad-Modell, das die Kreislaufwirtschaft stärken und Lagerbestände entlasten soll.
Doch bleiben Herausforderungen bestehen. Selbst innerhalb eines Landes wie Deutschland variieren die Vorschriften für Gefahrgüter wie Batterien. Ein weiteres Hindernis ist die fehlende Echtzeit-Transparenz, da Partner unterschiedliche ERP-, WMS- und TMS-Systeme nutzen. In einer Präsentation 2023 skizzierte Beker diese Ziele, doch Details zu lokalen Werkstattpartnerschaften oder Recyclingkooperationen in Schlüsselmärkten Europas wurden bisher nicht bekannt gegeben.
Renaults Strategie zielt darauf ab, Batterien als langfristige Vermögenswerte zu behandeln – nicht als austauschbare Komponenten. Das Tauschsystem und die kreislauforientierte Lieferkette sollen Fahrzeuge auf der Straße halten und gleichzeitig Kosten senken. Regulatorische Unterschiede und Datenlücken stellen die Effizienz des Systems jedoch weiterhin auf die Probe.






