NRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Wartezeiten
Tim WeberNRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Wartezeiten
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor, die an diesem Donnerstag stattfinden sollen. Die Kundgebungen werden in mehreren Städten des Bundeslandes stattfinden, darunter Köln, Düsseldorf und Dortmund. Die Kürzungen, die ab April 2026 in Kraft treten sollen, lösen Befürchtungen aus, dass sich der Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung in der Region weiter verschlechtern könnte.
Ab dem 1. April 2026 werden die Krankenkassen die Erstattungssätze für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent senken. Die Psychotherapeutenkammer NRW warnt, dass diese Kürzungen die ohnehin angespannte Versorgungssituation zusätzlich belasten könnten. Bereits jetzt müssen Patientinnen und Patienten im Land im Schnitt fünf Monate auf einen Ersttermin warten.
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verdienen derzeit weniger als alle anderen Fachärztinnen und Fachärzte in Deutschland. Hohe Kosten erschweren zudem die Gründung neuer Praxen. Moritz Esser-Wolters etwa investierte 50.000 Euro, um seine psychotherapeutische Praxis in Coesfeld zu eröffnen. Die Beschaffung eines Kassensitzes – der für die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen notwendigen Zulassung – bleibt teuer, ohne dass es einheitliche Preise gibt.
Der Mangel an solchen Zulassungen verschärft das Problem zusätzlich. Deutschlandweit fehlen schätzungsweise 7.000 Kassensitze für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, wodurch viele Patientinnen und Patienten nicht zeitnah behandelt werden können. Branchenvertreter warnen, dass die geplanten Honorarkürzungen die Wartezeiten weiter in die Länge ziehen könnten.
Die Proteste am Donnerstag werden die wachsende Belastung der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in NRW in den Fokus rücken. Angesichts sinkender Erstattungssätze und anhaltendem Zulassungsmangel droht eine weitere Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung. Sollten die geplanten Kürzungen nicht überdacht werden, müssen sich Patientinnen und Patienten auf noch längere Wartezeiten einstellen.






