Kulturministers alter Gedichtband Kopfpilz entfacht neue Debatte über Vergewaltigungskultur
Sebastian SchulteKulturministers alter Gedichtband Kopfpilz entfacht neue Debatte über Vergewaltigungskultur
Ein jahrzehntealter Gedichtband des deutschen Kulturministers ist wieder in den Fokus gerückt und löst wegen seines Inhalts eine Kontroverse aus. Die Aktivistin Martha Root hat auf Wolfram Weimers 1986 im Selbstverlag erschienenes Buch Kopfpilz aufmerksam gemacht, das sie als zutiefst problematisch bezeichnet.
Wolfram Weimer veröffentlichte Kopfpilz im Alter von 22 Jahren. Die Sammlung enthält Gedichte wie Vorfreude, das sich mit dem Tod auseinandersetzt, sowie Unglück, das sexuelle Gewalt in drastischen Bildern thematisiert. Root beschreibt das Werk als plump und geschmacklos und wirft ihm vor, eine „Vergewaltigungskultur“ zu verharmlosen.
Als Reaktion darauf wurde Root aktiv: Sie stellte eine digitalisierte Version von Kopfpilz auf Archive.org online und machte das Buch so frei zugänglich. Zudem übergab sie ein physisches Exemplar an die Deutsche Nationalbibliothek und plant, ein weiteres zu versteigern, um Spenden für Lesen Hilft zu sammeln – eine Initiative, die linke Buchhandlungen unterstützt.
Root argumentiert, dass Weimers frühes literarisches Schaffen den kulturellen Ansprüchen entsprechen müsse, die an einen Minister gestellt werden. Zudem kritisiert sie seine jüngsten politischen Kehrtwenden, etwa die Rücknahme einer Entscheidung, den Ausbau der Nationalbibliothek zu stoppen – was er nun als „Moratorium“ bezeichnet. Darüber hinaus wirft sie ihm vor, linke Buchhandlungen von einer Preisverleihung ausgeschlossen zu haben, und verweist auf mögliche Interessenkonflikte aufgrund seiner Vergangenheit als Unternehmer und Lobbyist.
Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, inwiefern Weimers frühes Werk mit seiner heutigen Rolle vereinbar ist. Durch Roots Initiativen bleibt Kopfpilz in der öffentlichen Diskussion präsent, während ihre Kritik auch seine jüngsten Entscheidungen und angeblichen Voreingenommenheiten umfasst. Die geplante Versteigerung und die Übergabe des Buches werden die Auseinandersetzung voraussichtlich weiter anheizen.






