Comedy-Club in Wien löst Streit um Karfreitag-Tradition aus
Neuer Comedy-Club in Wien entfacht Debatte über alte Traditionen
Der Lucky Punch Comedy Club, gegründet vom deutschen Komiker Michael Mittermeier, sollte ursprünglich an Karfreitag seine Pforten öffnen – und löste damit eine Diskussion über eine jahrhundertealte Sitte aus. In Österreich und Deutschland ist es seit Langem üblich, dass Theater und öffentliche Aufführungen an diesem hohen christlichen Feiertag pausieren.
Die geplante Eröffnung des Clubs am 3. April 2026, dem Karfreitag, sorgte für Verwirrung. Einige Berichte deuteten sogar an, der Start solle an Mittermeiers 60. Geburtstag erfolgen, doch mittlerweile ist die Eröffnung für Mitte April vorgesehen. Seine Frau Gudrun wird das Programm des Hauses kuratieren.
Die Tradition, an Karfreitag auf Vorstellungen zu verzichten, reicht bis ins mittelalterliche Christentum zurück. Im 14. und 15. Jahrhundert waren dramatische Nachstellungen von Christi Grablegung und Auferstehung in ganz Europa verbreitet. Orte wie die Externsteine in Deutschland (ab 1115) oder Neustift in Österreich (ab 1198) waren Schauplätze aufwendiger Karwochenrituale, zu denen auch die Enthüllung des Leichnams Jesu am Karfreitag zählte. Im Barock entwickelte sich daraus eine allgemeine Erwartungshaltung an besinnliche Stille, die weltliche Unterhaltung ablehnte.
Noch heute halten sich große Institutionen an diese Gepflogenheit: Die Wiener Staatsoper und das Burgtheater bleiben an Karfreitag geschlossen, ebenso wie die deutsche Bundesliga, die an diesem Tag keine Fußballspiele austragen lässt. Eine Ausnahme bilden oft Kabaretts – in Deutschland finden Komödienvorstellungen mitunter trotzdem statt.
Für gläubige Katholiken bleibt Karfreitag ein Tag des Fastens und der Einkehr. Viele verzichten an diesem Tag bewusst auf üppige Mahlzeiten oder sogar auf Unterhaltung als Form symbolischen Leidens. Der Autor erinnert sich an kindliche Mahlzeiten aus schlichten Linsen – ohne Speck – an Aschermittwoch und Karfreitag.
Der Lucky Punch Comedy Club wird nun nach Ostern eröffnen und damit den Konflikt mit der Tradition vermeiden. Die Debatte zeigt, wie tief verwurzelte religiöse Bräuche das öffentliche Leben in Österreich und Deutschland bis heute prägen. Während manche Einrichtungen sich anpassen, bewahren andere die stille Andacht des Karfreitags – wie seit Generationen.






